Niedergang

 
Niedergang
Collegium St. Bernhard, Paris 1245

Bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts weitet sich der Orden immer mehr aus. Doch dann verlangsamt sich das Wachstum deutlich. Einzelne Abteien üben zwar noch weit über diese Zeit hinaus einen bedeutsamen Einfluss auf ihre Umgebung aus. Vor allem die wirtschaftlichen Erfolge tragen zu ihrer Bedeutung bei. Auch ihre kulturelle Einflüsse sind nicht zu unterschätzen. 1245 gründet der Orden das Kolleg St. Bernhard in Paris, das eine Reihe von zisterziensischen Studienhäusern in ganz Europa entstehen lässt. Noch einmal von 1334 -1342 ist ein Zisterzienser Papst. Papst Benedikt XII. regiert in Avignon und auf ihn geht der berühmte Papstpalast von Avignon zurück, der deutlichen zisterziensischen Einfluss erkennen lässt.

Dennoch stagniert die Entwicklung. Viele Gründungen haben wirtschaftliche Schwierigkeiten (siehe unten zu den schwierigen Jahren von Kloster Schöntal in Franken, das in fünfter Generation der Gründungen von Morimond sich wirtschaftlich behaupten muss). Und immer wieder mussten Papst und Generalkapitel die Mitbrüder des Ordens an die Einhaltung der Ordensideale erinnern.

 

Kloster Schöntal in Schwierigkeiten

Torkapelle Schöntal

Das 1188 gegründete Kloster Schöntal ist die siebte Gründung in der Reihe ausgehend von Morimond über Bellevaux, Lützel und Neuburg und die zweite Tochter des Klosters Maulbronn.

 

Am 2. Februar 1282 richtet Abt Sifried von Maulbronn an den Abt von Kaisheim die Bitte, die volle Vaterschaft über das zerfallene Kloster Schöntal zu übernehmen. Er schreibt ganz ungeschminkt, dass es in seinen zeitlichen Gütern unwiederbringlich zusammengebrochen sei. Maulbronn selbst könne nicht helfen, da es ebenfalls in großer Bedrängnis sei. Kaisheim sei aber im weltlichen und geistlichen Bereich eine blühende Abtei. Die Antwort Kaisheims ist nicht bekannt. Aber schon am 12. März 1282 kommen die Äbte von Lützel, Neuburg und Herrenalb nach Maulbronn , um dort mit den Äbten von Maulbronn und Schöntal die notwendigen Schritte einzuleiten... Maulbronn trat dann auf Anraten der Äbte von Morimond, Lützel und Neuburg die Vaterschaft an Kaisheim ab. Dessen Abt Trutwin half rasch und gründlich. Noch im folgenden Jahr werden alle Schulden Schöntals (1200 Pfund Heller) von Kaisheim aus bezahlt." (aus Kloster Schöntal, Heribert Hummel, Schöntal 1991, S. 22)

Dennoch lässt sich der Niedergang des Ordens nicht aufhalten. Die Pest um die Mitte des 14. Jahrhunderts mag eine der Gründe sein. Viel schwerwiegender war vielleicht die Ausbreitung der Bettelorden, die in den aufstrebenden Städten große Beachtung fand. Für die landwirtschaftlich geprägten Zisterzienserklöster wurde es in ihrem Gefolge immer schwieriger, Laienbrüder zu finden. (Beispiele). Viele Klöster glichen sich benediktischen Klöstern an und lebten von Pacht- und Zehnteinkünften.

Verherend wirkte sich vor allem das Kommendenwesen aus. Innerlich geschwächte Konvente bekamen durch päpstliche oder bischöffliche Autorität einen Kommendatarabt, einen aus höfischer oder kirchlicher Hierarchie stammenden Verwalter der Klosterpfünde, der mehr an mehr an den Klostereinnahmen interessiert war als am geistlichen Leben des Konventes. Viele Klöster hatten deshalb im ausgehenden Mittelalter oft gar keine oder nur ganz wenige Mönche.

 

Zitat

"Außer Cîteaux, Clairvaux und Morimond wurden die meisten anderen französischen Klöster dem Kommendenwesen eingegliedert...Ein Visitator des Ordens berichtet, dass von den 35 als Kommenden geführten Klöstern 16 keine Mönche mehr hatten und die übrigen 19 gemeinsam nur noch 86 Mönche zählten, die ein elendes Dasein fristeten." Leroux-Dhuys, aaO. S. 126

Immer wieder wurde versucht durch Reformversuche das Klosterleben der Zisterziensier zu erneuern. Viele Klöster schlossen sich nach dem Vorbild der Benediktiner zu Kongregationen zusammen (die erste 1425 in Kastilien). Die immer seltener werdenden Generalkapitel in Cîteaux taten ihr übriges. Viele Konvente drängten nach dem Tridentiner Konzil (1545-63) aus dem Orden heraus, zunächst die Feuillanten, später die Trappisten). Der Streit um die strenge Observanz (vgl. nächste Seite) zeichnete sich hier schon ab.

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