Morimond

 
Morimond (Foto: Frédéric Brice s.u.)

Mori mundo - sterbe der Welt! Der Name ist Programm für das Selbstverständnis des frühen Zisterzienserordens. Aus den schwierigen Anfängen der 1115 gegründeten vierten Tochter von Cîteaux und der letzten Primarabtei des Ordens erwuchs eine der fruchtbarsten und einflussreichsten Linien des Ordens. Mit 144 Gründungen in der Filiationsfolge war Morimond wesentlich erfolgreicher als die früher gegründeten Töchter Pontigny und La Ferté. Entscheidend für den Erfolg von Morimond waren zum einen wohl die Lage als östlichste Tochter des Ordens. In Lothringen gelegen gehörten ihr schon in der Gründungszeit nachweislich viele Mitglieder des deutschen Hochadels an. Im Winter 1132/33 trat zudem der Babenberger Otto von Österreich mit 15 Gefährten auf der Rückreise vom Studium in Paris im Kloster ein (s.u.). Er und andere Mitglieder des Konvents förderten die Verbreitung der Zisterzienser in ihren Stammländern östlich des Rheins.

Zum anderen stand Morimond nicht unwesentlich unter dem Einfluss von Clairvaux nach dessen Muster und Organisation es bewusst die Filiation vorantrieb (vgl. Eberl, aaO. S. 97-99). Nach der schweren Krise eines durch den Gründungsabt Arnold verursachten Konfliktes wurde nach seinem Tode 1125 der Prior von Clairvaux Walther zum Abt bestimmt. "Walther hat Morimond nach den Maßstäben von Clairvaux verwaltet und durch seine Tätigkeit dafür gesorgt, dass es zu einer weitgehenden vergleichbaren Entwicklung gelangte" (Eberl, aaO. S. 97).

Leider blieb von der Primarabtei Morimond nach der französichen Revolution fast nichts mehr erhalten. Obwohl die Klosterkirche bis dahin trotz der Verwüstungen in den Hugenottenkriegen und dem Dreißigjährigen Krieg relativ unbeschadet erhalten blieb verschwand sie nach dem Verkauf und der Abtragung nach der Revolutiion fast vollständig. Allein ein Bogen der Langhausmauer zeugt heute noch von der Mutterabtei Morimond, die zahlreicher Töchter, vor allem in Deutschland, Österreich und in Osteuropa hervor gebracht hatte. Dies ist ausgesprochen schade, gerade weil man von hier aus den besonderen Einfluss der burgundischen Tradition nicht mehr nachverfolgen kann. Am ähnlichsten kommt der Mutter die direkte Filialtochter in Ebrach, deren Klosterkirche das Aussehen der Kirche von Morimond noch erahnen lässt mit ihrem typischen rechteckigen Umgangschor.

Otto von Freising, Foto gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=200476

Otto von Freising und Morimond

Otto von Freising (geb. 1112), der fünfte Sohn von Leopold III., Markgraf von Österreich und der Tochter Kaiser Heinrichs IV., Agnes von Waiblingen trat mit 20 Jahren als Novize ins Kloster Morimond ein (1132) auf der Rückreise von seinem Studium in Paris. 1138 wurde er zum dritten Abt als Nachfolger von Walther gewählt, trat seinen Dienst aber nur wenige Wochen an, da er kurz darauf zum Bischof von Freising berufen wurde. Als Förderer des Zisterzienserordens öffnete er diesen beim deutschen Hochadel, vor allem bei den nun herrschenden Staufern die Pforten. Die Verbindung zu den Zisterziensern hat Otto nie aufgegeben. 1158 starb er auf dem Weg zum Generalkapitel in Cîteaux in seinem geliebten Kloster Morimond, wo er in der Abteikirche begraben wurde. Heute ruhen seine Gebeine im Kloster Heiligenkreuz bei Wien.

Siehe auch de.wikipedia.org/wiki/Otto_von_Freising (Wikipedia DE).

Pfortenkapelle, Foto: Frédéric BRICE — Travail personnel, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3914212
Historischer Plan, Foto Frederic BRICE — Travail personnel, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3914457
Plan, Foto Frédéric BRICE — Travail personnel, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3873286
Historisches Manuskript, Foto Frédéric BRICE — Travail personnel, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3914436
Reste der Bibliothek, Foto Frédéric BRICE — Travail personnel, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3914153
 
 
 
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Daten

Gründung: 1115
Lat. Name: mori mundo
Filiation: Ebene 2
Cîteaux
Morimond
Töchter: (29)
Bellevaux 1120 FR
La Creste 1121 FR
Kamp 1123 DE
Ebrach 1127 DE
Thealay 1131 FR
Clairefontaine 1132 FR
Altenberg 1133 DE
Bithaine 1133 FR
Villers-Bettnach 1133 FR
Morimondo 1134 IT
Beaupré 1135 FR
Heiligenkreuz 1135 AT
Aiguebelle 1137 FR
Berdues 1137 FR
Bonnefont 1137 FR
Escaledieu 1137 FR
Georgental 1142 DE
Franquevaux 1143 FR
Dore 1147 EN
Silvacane 1147 FR
Jedrzejów 1149 PL
Belmont 1157 SYR
Bujedo 1172 ES
Sulejów 1177 PL
Wachock 1179 PL
S.Pedro de Gumiel 1194 ES
Szepes 1223 HG
Freistorf 1470 FR
Vistic 1675 LIT
Aufhebung: 1791 Franz. Revolution
heutige Nutzung: zerstört, Ruine

Infos

Lage: Zwischen Nancy und Dijon bei Grignoncourt (Champagne, FR) Karte (Google Map)
Links: Wikipedia (DE)
Wikipedia FR
Freunde der Abtei Morimond DE
Associatiion Amis de Morimond FR
Literartur: