Zugang

 
Suche nach Vollendung

Das Kloster folgt dem Lauf des Wassers. Es ist ein Sinnbild für die Suche nach der Quelle des Lebens, die in Christus zu finden ist. Abseits der großen Ströme folgt der Weg der Suche den Seitentälern bis zu der Stelle, da sie immer einsamer und unberührter werden, aber immer noch genügend Platz lassen für eine helle Lichtung im Tal. Felder, Weinberge und Obstgärten finden sich plötzlich hier. Eine Mauer umgibt das Kloster. Es ist eine Stadt für sich, - eine Klosterstadt. In ihr leben nur Menschen, die sich für diese Form des Lebens entschieden haben: Mönche oder Nonnen, Konversen, Gehilfen. Alles richtet sich nach dem Ziel der Suche aus: Vollkommenheit, Stille, Nähe zu Gott.

 

Man nähert sich dem Kloster in verschiedenen Stufen. Schon von weitem kündigen Fischteiche und Grangien das Kloster an, bis es endlich im Tal auftaucht. Ein erster Ring umgibt den Ort in Form einer Mauer. Nach den Vorstellungen des Ordens sollen alle Gebäude dahinter ihren Platz finden: Wirtschaftsgebäude, Mühlen, Stallungen, Gärten und die Klostergebäude an sich.

 

Ein zweiter Ring bietet Schutz und Raum für das Klosterleben. Eine hohe Pforte grenzt das Kloster von der Welt ab. Wer hier eintritt, betritt eine andere Welt. Nur noch Mönche und Konversen haben hier Zutritt. Besucher werden an der Pforte empfangen, Bettler gespeist, Almosen verteilt. Oft befindet sich eine kleine Kapelle für die Seelsorge direkt neben der Klosterpforte. Doch die Welt dahinter bleibt den meisten Besuchern verborgen.

 

Der dritte Ring öffnet sich nur den Mönchen selbst, die Klausur (lat. abgeschlossen). Wer in sie eintritt, lässt alles andere hinter sich: Reichtum, Ansehen, Familie, Besitz. Es ein Eintritt für immer. Das Leben im Kloster ist nach einer Zeit der Probe (Noviziat) eine Entscheidung für die Ewigkeit. Die Mönche werden das Kloster nicht mehr verlassen. Denn es ist ein Vorgeschmack auf die Vollendung, ein Vorhof des Paradieses.

 

Sinnbildlich dafür legt der Novize alle weltlichen Kleider ab und wird neu eingekleidet mit einem Gewand aus reiner weißer (oder gräulich-weißer) Schurwolle. Es ist warm genug für die kalten Tage im Kloster, und kennt keinerlei Luxus. Alle Brüder - oder Schwestern - sind gleich. Niemand unterscheidet sich in Gestalt und Status vom anderen. Alle sind auf der Suche nach der Vollendung. Armut, Keuschheit und Gehorsam sind ihr Versprechen (lat. professio). Es ist eine Ritterschaft der Liebe, die hier geübt wird, ein mühsamer Weg das bisherige Leben zu überkleiden.

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